Sonntag, 3. Oktober 2010

Anker und Segel

Alles fing an:

mit dem Besuch in der Kirche: D verhält sich, als wären wir in einem Wohnzimmer, betritt den Altarraum, fasst alles an und ich spüre in mir großes Staunen, nein mehr ein Entsetzen ... was macht er da? das darf man doch nicht.

Weil ich ihn liebe nehme ich wahr, fühle, kritisiere ihn nicht. Aus dem Staunen, Entsetzen wird ein AHA ... ich bemerke meine Verbindung  mit der Kirche, der Religion als Ganzes: meine Ehr'furcht', mein mehr als Respekt: Angst, Ehr-'furcht' - ich fürchte mich.

Das war meine erste große Begegnung mit meiner Wahrheit, meinem Glauben, meinen Wurzeln, meiner Angst, meinem Zögern, Zaudern, Zweifel und der Frage:
Was ist das denn?

Ich begann zu untersuchen, Wahrheiten von Unwahrheiten zu trennen - ich trennte was ich fand in: das ist richtig, das ist falsch. Lügen, Betrug, Verwirrung ging plötzlich von der Bibel aus, von der Religion und ließ mich als machtloses Opfer dastehen. Ich wehrte mich durch Aufdecken: Das TOR:  Jesus und Satan sind zwei Seiten der gleichen Medaille. Am Schluß die Erkenntnis und Aufforderung, dass es etwas zu heilen gibt und dass die Zeit der materiellen Weltsicht ein Ende hat: etwas Neues fängt an.

Ich war mitten drin. 
Ich erlaubte mir aufzuschreiben, was in mir hochkam - und hatte Angst vor der Strafe des Himmels oder der Hölle oder beidem: es geschah aber gar nichts, außer einem riesigen Gewitter, die Blitze fauchten durch den Himmel, die Erde donnerte als würde Satan auf einem Besen reiten. Ich erwartete, dass das Haus über mir zusammen fiel, weil ich etwas Flasches tat; aber es geschah nichts - keine Strafe.

Genau genommen hatte diese Reise bereits viel früher angefangen: als ich vor 26 jahren von Californien nach Braunschweig kam, Inhalte und Alan Watts im Gepäck und irgendwann ein Gedicht aufschrieb: 'ich, was ist das' - der Titel war, 'Sidolin, oder wie ich den Spiegel wieder blank kriege' oder so ähnlich.

Zeit spielt in diesem Prozess keine Rolle: das finden der Puzzleteile ist manchmal quälend, manchmal purzeln sie nur so von ganz allein. Dann gibt es wieder Zeiten großer Verwirrung, Angst, Zweifel und all diesem miesen Gefühlen die einhergehen mit: was mache ich hier eigentlich? Bin ich auf dem falschen Planeten, was machen die anderen, die machen was richtig, was tue ich? Bin ich verkehrt? Ein Handschuh verkehrtrum. Oft habe ich mich so gefühlt.

Die Frage, was mache ich hier eigentlich quälte mich lange. Bis ich an Informationen herankam, die meine Emotionen heilten und mir mein Tun, Dasein erklärten. Ich war in einem Prozess der Verwandlung meines 'Ich'... jede Frage bekommt ihre Antworten, wenn man nur hört und offen ist dafür. Die Antworten machen zuerst nicht immer Sinn, aber irgendwann kommen die Ahas.

Die Veränderung von Bewusstsein - das ist was in dieser Zeit geschieht. Was bedeutet das: es geht um Gepäck: um Wackersteine, die wir mit uns herumtragen, diese Wackersteine sind emotionale Muster, die wir benutzen. Automatisch. Um ein freier Mensch zu sein, der einen eigenen Willen hat, der agiert, nicht reagiert ist es notwendig, diese Emotionen aufzudecken; sie bewusst zu machen ist alles was es braucht - nur, die Fallen sind vielfältig und verlockend. Aber auch sie gehören zu diesem Spiel, dass mir lange nicht vorkam wie ein Spiel sondern eher als eine Bürde; das Leben zu sehen als 'ich muss mein Kreuz tragen durch Schmerz und Leid' ist die alte christliche Moral, das mir als Dogma erschien. Diese Fesseln zu erkennen als etwas was ich selber gemacht, erschaffen, gewählt habe; ist der Gang durch den Tunnel. Und ich weiß nicht, was am Ende dieses Tunnels sein wird.

Viele Male wollte ich aufgeben, aber irgendwie geht das nicht. Einen Weg einmal zu bechreiten und aus Angst, Mutlosigkeit aufzugeben machte für mich keinen Sinn, also begann ich jeden Stein auf dem Weg als Geschenk, als Möglichkeit zu erkennen, anzunehmen - nicht so leicht getan, wie jetzt geschrieben - egal.

Gestern mal wieder - ich hatte es bereits an anderer Stelle gelesen - wurde mir die Wichtigkeit aufzuschreiben, auszusprechen klar vor Augen geführt: was nicht ausgesprochen, aufgeschrieben ist, bleibt im Körper stecken - erst wenn es auf Papier in Wort und Schrift ist, kann es den Körper verlassen. Warum ist das wichtig? Weill alles im Körper gespeichert ist, alle Erfahrungen, Erlebnisse sind in unserer DNA gespeichert. Um neue Erfahrungen zu machen, muss Platz geschaffen werden, der Container ist voll, mache ich ihn leer. Ich lasse los, bringe weg. Innere Dialoge reichen nicht, das alte taucht immer wieder auf, als hätte ich es nur von einer Seite zur anderen geschaufelt. Loslassen ist ausdrücken. Der Körper reagiert darauf mit Erleichterung, das kann ich fühlen. Jedesmal, wenn ich mich traue, wenn ich mir erlaube.

Und darum geht es: um Erlaubnis.
Mir selber die Erlaubnis geben - für was auch immer.
Nicht andere fragen, darf ich? kann ich? soll ich?
mich selber fragen und dann tun, was mich lockt und ruft.


Den Prozess meines Wandels aufzuschreiben ist dieser Impuls, angeregt durch eine innere Kommunikation. Es gehört zum Befreiungsakt dazu. Das Gepäck wird leichter, die Steine im Rucksack scheinen sich aufzulösen. Aus Ankern Segel machen - so las ich gestern - oder wie ich neulich schrieb: aus Ankern werden Flügel - irgendwie dasselbe.

Was ist nun dieses emotionale Gepäck, die Anker?

leicht gesagt: alles was mich bindet, was meine Flügel schwer macht. 

Es sind tief eingeprägte, gelernte, wiederholte automatische Muster in denen wir uns bewegen, die wir nicht hinterfragen, weil wir sie automatisch tun. Wir identifizieren uns damit, sie sind das 'ich' geworden, dass wie ein Automat durch die Welt läuft. In diesem Zustand hatte ich nicht das Gefühl, einen eigenen Willen zu haben, mehr noch: haben zu dürfen.

Und so war es: ich hatte keinen eigenen Willen.

und wenn doch einer aufblitze und mein Wille sich auch erfüllte, dann war es Zufall oder Schicksal oder Fügung von außen - dass ich es war, der sich den Willen = Wunsch erfüllte war als Wahrnehmung nicht vorgesehen und mir deshalb nicht bewusst. Dies bedeutet die Verneinung meines Selbst, meiner Fähigkeiten, meiner Seele, meines Wesens in Reinform ... nicht 'ich bin' sondern 'ich bin nicht'.

Dieses 'nein', 'nicht' kommt auf dem Weg der Wandlung in Form von Geschenken auf mich zu: nur, diese Geschenke sind nicht Torte und Goldkettchen; es sind Ereignisse, die mich erschrecken, die mich mit mir selbst, meinem Nein, konfrontieren, als sehen sie erstmal häßlich aus, sie stinken, sie schmecken eklig, sehen scheiße aus. Ich muss sie auspacken, anschaun und mich darin erkennen - das ist die unangenehme Seite des Prozesses. Aber wenn ich lange genug übe ... dann merke ich es immer schneller: den Witz, den kosmischen Joke in allem und erkenne mich nicht nur im 'Nein' sondern auch im 'ja' - beides kommt in mein Bewusstsein als 'Ich' - ich lerne, zu wählen.

Die Perspektive ändert sich: die Gefangenschaft ist das richtig, falsch, gut und böse, schön und häßlch. und ich merke, dass ich es bin, die es so macht, wie es erscheint. Reflektionen von mir, Puzzleetiele meine Hologramms.

Und ich freue mich weiterhin über die Geschenke: aufmerksam wurde ich nur über die 'Neins' - die von selbst erfüllten Wünsche, Willen, habe ich nicht bemerkt als von mir erschaffen. Erst über das Erforschen, Ergründen der 'Neins' finde ich mich.

Nun stehe ich am Anfang, alles was bis heute geschah ist mein Wille gewesen - ich habe es nur nicht erkannt.

Das Lösen emotionaler Muster, ist das 'aus Ankern Segel machen'.
Jedesmal wenn eins auftaucht, habe ich die Gelegenheit zu neutralisieren, was genau dieser Akt bedeutet: eine neutralisierte Emotion ist ein Segel, der ein Anker war.

Wie geht das Neutralisieren?

einfach: ich mache hinter jedes negative Gefühl ein Smile  aus dem Smile wird dann ein Lachen. Das worüber ich lachen kann, hat keine Kraft mehr mich zu binden; der Vogel ist frei, die Käfigtür ists offen - weil .... es gab nie einen Käfig, keine Tür, alles Illsusion, alles Projektion.

... wenn es so einfach wäre, hätte ich dann sooo viele Jahre gebraucht? 
Egal, andere werden es in kürzerer Zeit schaffen, denn ich habe mir selber eine neue Emotion geschaffen, einen Anker, eine Erfahrung, die jetzt in meiner DNA gespeichert ist - dieser Anker ist das Erlebnis des Prozesses, der mir ein neues Gefühl für mich Selbst gibt - ich bin Anker und Segel.

Und damit kann ich anderen Mut machen!

Sonntag, 3. Oktober 2010





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